Zukunft entsteht nicht von allein – wir müssen sie zusammen gestalten.


Wer über die Zukunft des Landkreises Goslar spricht, sollte ehrlich sein. Wir leben in einer Region mit vielen Stärken – und zugleich mit Herausforderungen, die sich nicht einfach wegreden lassen. Der Harz ist Heimat, Naturraum, Tourismusregion und Wirtschaftsstandort. Wir haben engagierte Unternehmen, starke mittelständische Betriebe, eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung, die TU Clausthal als bedeutenden Wissenschaftsstandort, hervorragende Schulen, viele Vereine und ein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement.

Aber wir wissen auch: Die Flächen für neue Betriebe und Wohnungen sind begrenzt. Der demografische Wandel trifft uns stärker als viele andere Regionen. Viele Unternehmen suchen dringend Fachkräfte. Hohe Energiepreise belasten insbesondere unsere Industrie. Und wenn größere Investitionen geplant sind, treffen oft viele berechtigte Interessen aufeinander: Wirtschaft, Natur- und Wasserschutz, Denkmalschutz, Verkehr, Anwohnerinteressen und kommunale Planung.

Das kann man nicht mit einem einzigen Projekt lösen. Es braucht einen langen Atem, klare Prioritäten und eine Verwaltung, die Probleme nicht nur beschreibt, sondern Schritt für Schritt anpackt.

Das aktuelle IW-Regionalranking 2026 bietet dafür einen hilfreichen Blick von außen. Das Institut der deutschen Wirtschaft untersucht, welche Faktoren regionale Stärke fördern. Dabei geht es nicht nur um Wirtschaftskraft oder Arbeitslosigkeit. Ebenso wichtig sind Lebensqualität, medizinische Versorgung, Sicherheit, Bildung, Familienfreundlichkeit, Zuzug und die Fähigkeit einer Region, Investitionen und Veränderungen gut zu gestalten.

Wenn man diese Faktoren mit dem abgleicht, was wir im Landkreis Goslar in den vergangenen Jahren getan haben, wird deutlich: Wir haben die richtigen Fragen früh gestellt und an vielen entscheidenden Stellschrauben gearbeitet. Nicht alles ist abgeschlossen. Nicht alles liegt allein in unserer Hand. Aber wir haben einen Weg eingeschlagen, den wir konsequent weitergehen müssen.

Gesundheit ist ein Standortfaktor

Eine gute medizinische Versorgung ist für die Menschen im Landkreis zuerst einmal eine Frage der Sicherheit und der Lebensqualität. Wer krank wird, muss schnell Hilfe bekommen. Wer älter wird, möchte möglichst lange in seiner Heimat gut versorgt leben können. Familien müssen wissen, dass Kinder, Eltern und Großeltern vor Ort medizinische Ansprechpartner finden.

Aber Gesundheitsversorgung ist heute auch ein wichtiger Standortfaktor. Wo Hausärzte fehlen, Facharzttermine schwer zu bekommen sind oder Rettungsdienste lange Wege zurücklegen müssen, wird es für Menschen schwieriger, sich für eine Region als Wohn- und Arbeitsort zu entscheiden. Das IW-Regionalranking bestätigt diese Einschätzung: Die Ärztedichte gehört zu den besonders relevanten Faktoren für die Lebensqualität einer Region.

Der Landkreis Goslar kann nicht allein entscheiden, wo sich Ärztinnen und Ärzte niederlassen. Aber wir können unterstützen, vermitteln und dort handeln, wo es notwendig ist. Deshalb haben wir ein Förderprogramm zur Stärkung der kassenärztlichen Versorgung aufgelegt und weiterentwickelt. Damit helfen wir, zusätzliche Haus- und Facharztsitze im Kreisgebiet zu sichern.

Solche Entscheidungen sind kein Selbstzweck. Sie helfen ganz konkret dabei, die ambulante Versorgung für viele Patientinnen und Patienten zu sichern. Gleichzeitig setzen sie ein Signal: Der Landkreis Goslar will nicht zusehen, wenn medizinische Angebote wegbrechen. Wir wollen gemeinsam mit den Praxen, der Kassenärztlichen Vereinigung, den Kommunen und weiteren Partnern dafür sorgen, dass die Versorgung auch in Zukunft verlässlich bleibt.

Dazu gehört auch unsere Gesundheitskonferenz. Sie bringt seit Jahren Menschen aus Medizin, Pflege, Rehabilitation, Verwaltung, Wissenschaft und Sozialarbeit zusammen. Dort geht es nicht um schöne Worte, sondern um konkrete Fragen: Wie gehen wir mit Demenz um? Wie können wir Reha-Angebote verbessern? Wie sichern wir Fachkräfte im Gesundheitsbereich? Wo gibt es Lücken, die wir gemeinsam schließen müssen? Diese Vernetzung ist wichtig, weil Versorgung nicht an einer einzelnen Praxis, einer Klinik oder einer Behörde endet. Die nächste Konferenz beschäftigt sich mit dem immer präsenteren Thema des Hitzeschutzes.

Besonders stolz bin ich auf die Entwicklung der Telenotfallmedizin. Der Landkreis Goslar hat früh erkannt, dass sich die Notfallmedizin gerade im ländlichen Raum verändern muss. Wenn ein Notarzt weite Wege zurücklegen muss, zählt oft jede Minute. Deshalb wurde bei uns ein Pilotprojekt aufgebaut, bei dem Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter vor Ort digital und unmittelbar durch notärztliche Expertise unterstützt werden können.

Die Telenotfallmedizin ersetzt den Notarzt nicht. Bei schweren Fällen muss ein Notarzt weiterhin persönlich an die Einsatzstelle kommen. Aber sie sorgt dafür, dass Fachwissen schneller dort ankommt, wo es gebraucht wird. Sie unterstützt das Rettungsdienstpersonal und hilft, die knappe Ressource Notarzt gezielter einzusetzen. Seit 2021 hat sich dieses System im Landkreis Goslar etabliert. Inzwischen wurde der Goslarer Ansatz landesweit wahrgenommen und ist ein wichtiger Baustein für die weitere Entwicklung der Telenotfallmedizin in Niedersachsen.

Das zeigt: Zukunftsfähigkeit bedeutet nicht, jedes Neue unkritisch zu feiern. Zukunftsfähigkeit bedeutet, dort neue Wege zu gehen, wo sie den Menschen einen erkennbaren Nutzen bringen.

Sicherheit schafft Vertrauen

Sicherheit ist ein weiterer Bereich, der für die Lebensqualität von großer Bedeutung ist. Menschen müssen sich in ihrem Wohnort, auf dem Weg zur Arbeit, am Bahnhof, in der Innenstadt und im Alltag sicher fühlen können. Das gilt für Familien ebenso wie für ältere Menschen, junge Menschen oder diejenigen, die spät am Abend unterwegs sind.

Sicherheit entsteht dabei nicht durch einfache Schlagworte. Sie braucht eine gute Zusammenarbeit zwischen Polizei, Kommunen, Ordnungsbehörden, Rettungsdiensten, Feuerwehr und vielen weiteren Beteiligten. Deshalb haben wir die Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion Goslar in einer Sicherheitspartnerschaft weiter vertieft. Damit schaffen wir klare Wege für den Austausch, für gemeinsame Lagebewertungen und für abgestimmtes Handeln, wenn sich Probleme in bestimmten Bereichen zuspitzen.

Ein Beispiel dafür ist die Waffenverbotszone am Goslarer Bahnhof. Niemand wünscht sich solche Maßnahmen. Aber wo sich ein Bereich zu einem besonderen Belastungsraum entwickelt, darf der Staat nicht wegsehen. Die Waffenverbotszone ist ein klares Instrument, um Risiken zu reduzieren und den öffentlichen Raum wieder sicherer zu machen. Sie steht für eine einfache Haltung: Sicherheit muss konkret erlebbar sein.

Auch die Neustrukturierung der Jagd- und Waffenbehörde gehört in diesen Zusammenhang. Es geht um rechtssichere, verlässliche und nachvollziehbare Verfahren in einem sensiblen Aufgabenbereich. Die Bürgerinnen und Bürger müssen darauf vertrauen können, dass die Verwaltung sorgfältig arbeitet, Risiken ernst nimmt und Entscheidungen nach klaren Regeln trifft.

Noch wichtiger ist, dass wir uns auf außergewöhnliche Lagen vorbereiten. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell sich Wetterlagen ändern können. Hochwasser, Starkregen, Wald- und Vegetationsbrände sowie andere Krisen verlangen eine professionelle Vorbereitung. Im Landkreis Goslar haben wir deshalb den Katastrophenschutz weiterentwickelt: mit einer Technischen Einsatzleitung, einem Hochwasserschutzzug und der länder- und landkreisübergreifenden Lenkungsgruppe Waldbrandbekämpfung Harz.

Zudem haben wir die Zusammenarbeit mit dem Landeskommando der Bundeswehr ausgebaut und gemeinsame Übungen durchgeführt. Im Ernstfall muss klar sein, wer welche Aufgabe übernimmt, welche Informationen wohin gehen und wie unterschiedliche Kräfte zusammenwirken. Eine gute Krise beginnt nicht erst in der Krise. Sie beginnt mit Vorbereitung, Ausbildung, Vertrauen und klaren Abläufen.

Fachkräfte fallen nicht vom Himmel

Viele Unternehmen im Landkreis Goslar kennen die Lage seit Jahren: Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, wird immer schwieriger. Das betrifft Handwerk und Industrie ebenso wie Pflege, Verwaltung, Gastronomie, Tourismus, Bildung und soziale Berufe. Der Fachkräftemangel ist keine vorübergehende Erscheinung. Er hängt eng mit dem demografischen Wandel zusammen und wird die Zukunft unseres Landkreises entscheidend mitbestimmen.

Deshalb reicht es nicht, erst dann zu handeln, wenn eine Stelle unbesetzt bleibt. Wir müssen früh anfangen. Berufsorientierung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Junge Menschen brauchen Informationen, Begegnungen und echte Einblicke in die Arbeitswelt. Sie müssen wissen, welche Chancen es direkt vor ihrer Haustür gibt – im Handwerk, in der Industrie, im Gesundheitsbereich, in sozialen Berufen, im Tourismus, in der Verwaltung oder in wissenschaftsnahen Bereichen.

Mit unseren Ausbildungsmessen unterstützen wir genau diesen Übergang von Schule in Ausbildung, Studium oder Beruf. Mehrere tausend Schülerinnen und Schüler kommen dort jedes Jahr mit Unternehmen, Hochschulen, Einrichtungen und Beratungsstellen zusammen. Das ist für viele junge Menschen die erste Gelegenheit, konkrete Berufe kennenzulernen, Praktikumsplätze zu finden oder Fragen zur eigenen Zukunft zu stellen.

Diese Form der Berufsorientierung ist kein Nebenthema. Sie ist Wirtschaftspolitik, Bildungspolitik und Zukunftspolitik zugleich. Denn ein Unternehmen, das heute eine Auszubildende oder einen Auszubildenden gewinnt, sichert vielleicht morgen seinen Fachkräftebedarf. Ein junger Mensch, der hier eine Perspektive erkennt, entscheidet sich möglicherweise dafür, im Landkreis zu bleiben, nach Ausbildung oder Studium zurückzukehren oder eine Familie hier zu gründen.

Auch als Arbeitgeber muss der Landkreis selbst zeigen, dass moderne Arbeitsbedingungen möglich sind. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice dort, wo es sinnvoll ist, Gesundheitsangebote und familienfreundliche Strukturen gehören heute zu einem zeitgemäßen Arbeitsplatz. Das hilft nicht nur bei der Gewinnung von Beschäftigten. Es hilft auch dabei, dass Menschen Familie und Beruf besser miteinander verbinden können.

Das IW-Regionalranking hebt ausdrücklich die Beschäftigungsrate von Frauen als wichtigen Faktor hervor. Dahinter steht eine ganz praktische Frage: Können Eltern arbeiten, wenn sie arbeiten möchten? Haben sie eine verlässliche Kinderbetreuung? Gibt es Unterstützung in Ferienzeiten? Werden Teilzeit, Weiterbildung und berufliche Entwicklung zusammengedacht? Wer hier gute Antworten gibt, stärkt Familien und den regionalen Arbeitsmarkt zugleich.

Familie und Beruf gehören zusammen

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für viele Menschen keine abstrakte politische Debatte, sondern eine tägliche Frage: Wer betreut das Kind, wenn die Kita geschlossen ist? Was passiert in den Ferien? Wie kann ein Arbeitsplatz gehalten werden, wenn Betreuungszeiten nicht zu den Arbeitszeiten passen? Und wie können Unternehmen ihre Beschäftigten unterstützen, ohne diese Aufgaben allein lösen zu müssen?

Genau deshalb ist die Kompetenzstelle Familie und Wirtschaft so wichtig. Sie bringt Unternehmen, Beschäftigte, Betreuungseinrichtungen und weitere Partner zusammen. Ihr Ziel ist es, bei Fragen der Kinderbetreuung im Verbund praktische Lösungen zu entwickeln und damit Familien zu entlasten.

Der Landkreis hat diese Kompetenzstelle aufgebaut und ihr Angebot gezielt erweitert. Besonders wichtig ist dabei die Ferienbetreuung für Grundschulkinder. Gerade während der Schulferien entsteht für viele berufstätige Eltern eine Lücke, die sich nicht allein durch Urlaubstage schließen lässt. Die politische Entscheidung, der Kompetenzstelle eigene Angebote für die Ferienbetreuung zu ermöglichen, war deshalb richtig und notwendig.

Nun geht es darum, diesen Ansatz dauerhaft zu sichern und weiterzuentwickeln. Die Verstetigung ist kein formaler Verwaltungsschritt. Sie bedeutet für Familien und Unternehmen mehr Verlässlichkeit. Wer weiß, dass es ein tragfähiges Angebot gibt, kann Beruf und Familie besser planen. Und Unternehmen profitieren, weil sie qualifizierte Beschäftigte leichter halten und gewinnen können.

Bildung ist die Grundlage für morgen

Wer über Zukunftsfähigkeit spricht, muss über Bildung sprechen. Gute Schulen, moderne Lernorte und verlässliche Bildungswege sind entscheidend für die Entwicklung junger Menschen. Sie sind aber auch ein starkes Argument für Familien, die überlegen, wo sie leben möchten. Und sie sind ein wichtiger Faktor für Unternehmen, die qualifizierte Beschäftigte brauchen.

Der Landkreis Goslar hat deshalb in den vergangenen Jahren erheblich in seine Schulstandorte investiert. Mit dem Neubau des Schulzentrums Goldene Aue wird die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Landkreises umgesetzt. Das Projekt hat ein Volumen von rund 70 Millionen Euro.

Solche Summen müssen sorgfältig abgewogen werden. Sie sind angesichts der angespannten Haushaltslagen keine Selbstverständlichkeit. Aber gerade deshalb ist es wichtig, die Prioritäten klar zu setzen. Wer an Bildung spart, spart an der falschen Stelle. Moderne Schulen schaffen gute Lernbedingungen, stärken die Attraktivität einer Region und geben jungen Menschen bessere Chancen.

Hinzu kommen weitere Investitionen, etwa der geplante Abriss und Neubau der Sporthalle in Liebenburg sowie die Sanierung der Sporthalle im Vienenburger Schulzentrum. Auch Sporthallen sind Teil einer funktionierenden Bildungs- und Lebenswelt. Sie dienen dem Schulsport, den Vereinen, der Gesundheit und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Diese Investitionen zahlen nicht unmittelbar am nächsten Tag auf ein Regionalranking ein. Aber sie wirken langfristig. Sie verbessern die Standortqualität. Sie helfen Familien bei ihrer Entscheidung für den Landkreis Goslar. Sie stärken die Chancen junger Menschen. Und sie tragen dazu bei, dass Unternehmen den Landkreis als einen Ort sehen, an dem ihre Beschäftigten gut leben und ihre Kinder gute Perspektiven haben.

Moderne Verwaltung ist Standortpolitik

Viele Menschen nehmen Verwaltung vor allem dann wahr, wenn sie einen Antrag stellen, ein Auto zulassen, eine Baugenehmigung benötigen oder eine Frage an das Kreishaus haben. Genau dort entscheidet sich aber oft, ob Verwaltung als hilfreich, verständlich und verlässlich erlebt wird.

Eine moderne Verwaltung muss erreichbar sein, Verfahren nachvollziehbar machen und dort, wo es möglich ist, digitale Wege anbieten. Deshalb haben wir das Online-Serviceportal aufgebaut und kontinuierlich erweitert. Bereits 2025 waren mehr als 90 Prozent der Verwaltung an das digitale Aktenmanagement angeschlossen. Im Bereich der Waffenbehörde standen 21 Dienstleistungen online zur Verfügung. Insgesamt stehen momentan 74 Online-Dienstleistungen der gesamten Landkreisverwaltung zur Verfügung (Ziel bis Jahresende: 90).

Ein wichtiger Baustein ist auch die digitale Bauakte. Sie erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Bauherren, Planungsbüros, Architekten, Fachbehörden und Verwaltung. Unterlagen können strukturiert bereitgestellt werden, Bearbeitungsschritte werden nachvollziehbarer und Papierwege entfallen.

Das klingt zunächst technisch. Tatsächlich ist es aber sehr praktisch: Schnellere und klarere Verfahren helfen Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen und Unternehmen. Für einen Standort wie den Landkreis Goslar, in dem Investitionen häufig auf komplexe rechtliche und räumliche Fragen treffen, ist eine leistungsfähige Verwaltung ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.

Darauf baut auch die neue Stelle für Verfahrensmanagement und Regionalentwicklung auf. Sie soll größere Investitions- und Entwicklungsvorhaben von Anfang an begleiten, Zuständigkeiten früh klären, Fachbehörden zusammenbringen, Fristen nachhalten und Konflikte möglichst rechtzeitig lösen.

Damit wird kein Recht außer Kraft gesetzt. Natur-, Wasser-, Denkmal-, Wald- und Bodenschutz bleiben wichtige Schutzgüter. Aber eine gute Verwaltung darf nicht akzeptieren, dass sinnvolle Vorhaben allein deshalb scheitern oder sich unnötig verzögern, weil Informationen zu spät zusammenkommen oder Zuständigkeiten nicht ausreichend koordiniert werden.

Die neue Stelle schafft deshalb eine zentrale Kümmerer-Funktion für komplexe Vorhaben. Sie verbindet wirtschaftliche Entwicklung mit Rechtssicherheit und Transparenz. Gerade angesichts begrenzter Flächen, vielfältiger Schutzinteressen und hoher Anforderungen an Genehmigungen ist das ein wichtiger Schritt.

Lebensqualität lebt vom Zusammenhalt

Lebensqualität entsteht nicht nur durch Arbeitsplätze, Einkommen und Infrastruktur. Sie entsteht auch durch das Gefühl, dazuzugehören. Durch Menschen, die Verantwortung übernehmen in Vereinen, Feuerwehren, Sportgemeinschaften, Kulturinitiativen, Nachbarschaften und soziale Einrichtungen.

Der Landkreis Goslar hat eine starke Tradition des Ehrenamts. Viele Menschen engagieren sich Woche für Woche für andere: in der Feuerwehr, im Sport, in der Jugendhilfe, in der Kultur, im Naturschutz, in der Flüchtlingshilfe oder in sozialen Initiativen. Ohne dieses Engagement wäre unser Landkreis ärmer, weniger sicher und weniger lebenswert.

Mit der Ehrenamtskarte und der engen Zusammenarbeit mit der Freiwilligenagentur würdigen wir dieses Engagement sichtbar. Das kann den freiwilligen Einsatz nicht aufwiegen. Aber Anerkennung ist wichtig. Sie zeigt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht selbstverständlich ist und dass diejenigen, die sich für andere einsetzen, gesehen werden.

Auch das Dorfbudget gehört in diesen Zusammenhang. Kleine Projekte in Ortschaften und Ortsteilen können oft viel bewirken: ein Treffpunkt, eine Verbesserung im Dorf, eine Idee für Jung und Alt, eine Unterstützung für Vereinsarbeit oder ein Projekt, das Menschen zusammenbringt. Solche Maßnahmen machen aus einem Ort nicht über Nacht einen anderen Ort. Aber sie stärken Identifikation und die Bereitschaft, Verantwortung für die eigene Heimat zu übernehmen.

Die Kulturförderung und die Unterstützung des Landschaftspflegeverbandes wirken ebenfalls über ihren unmittelbaren Zweck hinaus. Kultur schafft Begegnung. Landschaftspflege verbindet Naturschutz, Landwirtschaft und regionale Identität. Beides trägt dazu bei, dass der Landkreis Goslar nicht nur ein Ort zum Arbeiten, sondern auch ein Ort zum Leben bleibt.

Wirtschaft braucht gute Rahmenbedingungen

Wirtschaftliche Entwicklung ist die Grundlage dafür, dass Kommunen handlungsfähig bleiben. Wo Unternehmen investieren, entstehen und bleiben Arbeitsplätze. Wo Arbeitsplätze entstehen, wächst Kaufkraft. Wo Kaufkraft wächst, profitieren Handel, Dienstleistungen, Vereine und das öffentliche Leben. Und wo Städte und Gemeinden Einnahmen erzielen, können sie in Schulen, Straßen, Sport, Kultur und soziale Infrastruktur investieren.

Das IW-Regionalranking benennt die kommunale Steuerkraft als einen besonders wichtigen Faktor für regionale Stärke. Ebenso relevant sind Unternehmensdynamik, Bauaktivität und wissensintensive Dienstleistungen. Gerade hier haben wir im Landkreis Goslar jedoch mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Der gemeinsame Harzer Appell der Städte, Gemeinden und des Landkreises in Richtung des Landes hat diese Probleme klar beschrieben: große Schutzgebiete, viele gemeindefreie Flächen, wenig Raum für neue Gewerbe- und Industrieflächen, hohe Energiepreise für energieintensive Unternehmen, Förderunterschiede zu benachbarten Regionen und der zunehmende Fachkräftemangel.

Diese Probleme darf man nicht als Ausrede benutzen. Aber man darf sie auch nicht verschweigen. Wer eine realistische Regionalpolitik machen will, muss sie benennen und gegenüber Land, Bund und regionalen Planungsträgern vertreten. Der Landkreis Goslar braucht faire Chancen, wenn es um Flächenentwicklung, Förderkulissen, Energieversorgung und Infrastruktur geht.

Parallel dazu arbeiten wir daran, die Möglichkeiten vor Ort konsequent zu nutzen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die WiReGo. Wirtschaftsförderung bedeutet nicht nur, neue Unternehmen anzusprechen. Sie bedeutet auch, bestehende Betriebe zu beraten, Fördermittel zu erschließen, Flächen und Immobilien zu vermitteln, Unternehmensnachfolgen zu begleiten, Fachkräftefragen zu bearbeiten und Gründungen zu unterstützen.

Die Zahlen zeigen, dass diese Arbeit Wirkung entfalten kann: Von 2016 bis 2023 hat die WiReGo kreisweit 103 Förderfälle begleitet. Damit wurden rund 55,2 Millionen Euro an Fördermitteln mobilisiert und fast 1.100 Arbeitsplätze gesichert. Diese Zahlen sind kein Grund, sich zurückzulehnen. Sie zeigen aber, dass professionelle Wirtschaftsförderung einen Unterschied machen kann.

Dazu gehört auch die Unterstützung von Gründerinnen und Gründern. Neue Ideen, junge Unternehmen und Ausgründungen aus Wissenschaft und Wirtschaft brauchen Beratung, Netzwerke und Zugang zu Fördermöglichkeiten. Gerade mit der TU Clausthal haben wir einen Partner in der Region, der für Wissen, Technologie und Innovation steht. Es ist richtig, diese Verbindung weiter auszubauen – nicht nur auf dem Papier, sondern in konkreten Projekten und Unternehmensgründungen.

Ein besonders wichtiger Ansatz ist dabei das neue Projekt zur Kreislaufwirtschaft gemeinsam mit WiReGo und TU Clausthal. Die Frage, wie Rohstoffe wiederverwendet, Materialien besser genutzt und wirtschaftliche Prozesse ressourcenschonender gestaltet werden können, wird für Industrie und Mittelstand immer wichtiger. Für den Landkreis Goslar ist das zugleich eine Chance, vorhandene Kompetenzen aus Industrie, Forschung und Umwelttechnologie zusammenzuführen.

Der eingeschlagene Weg

Das IW-Regionalranking liefert keine fertige Gebrauchsanweisung für den Landkreis Goslar. Kein Ranking kann die konkreten Besonderheiten unserer Region vollständig abbilden. Aber es zeigt deutlich, dass wirtschaftliche Stärke, soziale Stabilität und Lebensqualität zusammengehören.

Genau deshalb haben wir in den vergangenen Jahren nicht nur auf ein einzelnes Thema gesetzt. Wir haben an der medizinischen Versorgung gearbeitet, die Telenotfallmedizin aufgebaut, Sicherheit und Katastrophenschutz gestärkt, in Bildung investiert, Berufsorientierung ausgebaut, Familien bei der Kinderbetreuung unterstützt, Verwaltung digitalisiert, Wirtschaftsförderung weiterentwickelt und neue Impulse mit Wissenschaft und regionalen Partnern gesetzt.

Natürlich bleibt viel zu tun. Wir brauchen mehr Fachkräfte. Wir müssen junge Menschen besser in der Region halten und für Rückkehr gewinnen. Wir müssen Investitionen möglich machen, ohne die Besonderheiten unserer Natur und Landschaft preiszugeben. Wir müssen den Menschen gute Versorgung, verlässliche Mobilität und attraktive Lebensbedingungen bieten. Und wir müssen weiter darum kämpfen, dass Land und Bund die besonderen Herausforderungen des Harzes ernst nehmen.

Aber eines ist ebenso klar: Der Landkreis Goslar beginnt diese Aufgabe nicht bei null. Wir haben in den vergangenen Jahren wichtige Grundlagen geschaffen. Der richtige Weg besteht deshalb nicht darin, bei jeder neuen Herausforderung alles neu zu erfinden. Er besteht darin, bewährte Ansätze weiterzuentwickeln, offene Lücken ehrlich zu benennen und neue Chancen entschlossen zu nutzen.

Zukunftsfähigkeit entsteht nicht über Nacht. Sie entsteht, wenn eine Region bereit ist, Verantwortung zu übernehmen – gemeinsam, sachlich und mit dem festen Willen, den Landkreis Goslar weiter voranzubringen.